Die Komfortzonen-Falle: Warum wir als Gesellschaft feststecken

Shownotes

In dieser Folge geht es um die Komfortzone nicht nur als persönliches, sondern als gesellschaftliches Muster:

Warum haben so viele Menschen Angst vor Veränderung? Warum kann Stillstand gefährlich sein? Wie kann Bildung Mut und Wachstum fördern – und warum gelingt das so oft nicht? Warum fällt gesellschaftlicher Wandel so schwer?

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Mut ist kein Charakterzug. Mut heißt zu zittern und dann trotzdem zu springen.

Wir stecken aber als Gesellschaft in der Komfortzone fest. Und das Verrückte daran ist: Das fühlt sich irgendwie gut an.

Wenn die Angst regiert und wenn wir es uns dort bequem machen, dann verändert sich nichts.

Und wenn sich nichts verändert, dann kann sich auch nichts verbessern.

Willkommen bei Go To Genius, dem Podcast, der Mut macht, größer zu denken.

Ich bin Sandra Pfitzner, Journalistin, Autorin, Mutter und eine, die glaubt, dass wir unseren

Kindern mehr schulden als Angst vor dem Morgen und das Festhalten am Gestern.

Als Journalistin bin ich neugierig auf das, was unsere Welt voranbringt.

Neue Ideen, neue Werkzeuge, neue Formen des Lernens.

Seit mehr als 15 Jahren begleite ich außerdem Menschen und Organisationen dabei, klarer zu denken, mutiger zu kommunizieren und Wandel nicht nur auszuhalten, sondern mitzugestalten.

Hier geht es darum, wie wir lernen, leben und Zukunft gestalten können, als Menschen und als Gesellschaft.

Warum wir Bildung neu denken müssen und wie wir Technologien wie Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll nutzen können.

Als Werkzeug für Fortschritt, nicht als Ersatz für Menschlichkeit.

Heute geht es um den gefährlichsten Ort der Welt.

Und, das verrate ich euch schon mal, der liegt meiner Ansicht nach weder im Dschungel noch in der Wüste.

Bereit für Neues?

Dann lasst uns mutig sein und dorthin gehen, wo Wachstum beginnt.

Mit 26 bin ich zum ersten Mal in die USA geflogen.

An die Ostküste.

München, New York, 9 Stunden Flug.

Die erste große Reise mit meinem damals Noch-Nicht-Ehemann.

Ich habe mir Reiseführer gekauft, gelesen, geplant, unzählige Orte recherchiert, die ich unbedingt sehen wollte.

Kurz, ich habe mich echt riesig gefreut.

Einerseits.

Andererseits konnte ich schon Wochen vor der Reise nicht richtig schlafen.

Warum?

Vor allem nachts ist die Angst gekommen und hat sich in mein Gehirn gefressen.

Denn ich hatte damals so richtig Flugangst.

Es war nicht so, dass es mein allererster Flug war.

Ich war schon ein paar Mal beruflich geflogen.

Aber ehrlich gesagt immer mit einer Höllenangst im Gepäck.

Und es waren vorher halt immer nur so kleine Strecken von ein oder zwei Stunden.

Ja, und jetzt Amerika.

Das war halt zum ersten Mal so ein richtig langer Flug.

Und entsprechend größer war auch meine Flugangst.

Ich weiß noch genau, wie ich mich damals von meinen Eltern verabschiedet habe, die uns zum Flughafen gebracht hatten.

Ihr könnt euch das vielleicht nicht vorstellen, aber ich hatte wirklich so ein Gefühl, als wenn ich sie nie wiedersehen würde.

Ja, und dann ging es los.

Mein Mann, dem so etwas wie Flugangst völlig fremd ist, war die ganze Zeit an meiner Seite und hat mir Sicherheit gegeben.

Trotzdem war ich ununterbrochen angespannt, konnte auf dem Flug weder essen noch mich auf meine Reiseführer oder den Film konzentrieren.

Ja, und dann waren wir plötzlich in New York.

Cooler Anflug auf JFK mit der Skyline von Manhattan am Horizont.

Und als wir dann nach der Landung auf dem Rollfeld standen, hat mein Mann mich fest in die Arme genommen und bei mir sind die Tränen geflossen.

Einfach, weil die Anspannung endlich vorbei war, weil ich so glücklich war, dass ich das geschafft hatte.

Und weil ich in diesem Moment verstanden habe: Mut entsteht nicht, wenn wir uns sicher fühlen, sondern wenn wir Angst haben und uns trotzdem trauen.

Wir sind dann damals vier Wochen lang durch die USA gefahren und geflogen.

Und es war eine tolle Reise mit so vielen wunderschönen Erlebnissen, die mich bis heute begleiten.

Und manchmal denke ich mir, was wäre gewesen, wenn ich mich damals nicht getraut hätte.

Und ich bin mir ganz sicher, ich hätte bestimmt eine ganze Menge versäumt.

Aber nicht nur das.

Denn dieser Flug damals, der hat mir nicht nur eine wunderbare Reise beschert, sondern der hat mich auch persönlich wachsen lassen.

Die Tränen da auf dem Flugplatz von New York, die sind damals eben auch deshalb geflossen, weil ich so stolz auf mich war, dass ich mich trotz meiner Angst getraut habe.

Und im selben Augenblick war mir bewusst, dass mir damit eine ganz neue Welt offensteht.

Das war nicht nur ein großartiges Gefühl, sondern ein echter Durchbruch für mich.

Warum ich euch das erzähle?

Naja, weil das Leben voll solcher Gelegenheiten steckt, die uns Angst machen.

Und leider lassen sich viele Menschen von dieser Angst ins Bockshorn jagen.

Sie verharren dort, wo sie sich sicher fühlen und meiden die Angst.

Das heißt, sie bleiben in ihrer Komfortzone.

Oder anders gesagt, sie wollen, dass alles so bleibt, wie es ist und schon immer war.

Irgendwie klingt so eine Komfortzone ja auch echt verführerisch.

So nach Kuscheldecke und Cappuccino.

Und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum wir es uns dort so gerne gemütlich machen.

Die Komfortzone fühlt sich so sicher an und bequem.

Aber sie ist echt gefährlich.

Ich behaupte sogar, die Komfortzone ist der gefährlichste Ort der Welt.

Denn die Komfortzone verhindert, dass wir wachsen, dass wir Probleme lösen,

dass wir uns Herausforderungen mutig entgegenstellen.

Dass wir kreativ und innovativ sind. Das gilt für uns persönlich und das gilt auch für uns als Gesellschaft.

Bevor wir tiefer einsteigen.

Mein Blick auf Veränderung kommt nicht nur aus Erfahrung.

Er beruht auf Recherche, auf Gesprächen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern,

mit Expertinnen und Experten für Künstliche Intelligenz, für Pädagogik und Psychologie.

Mit und aus echter Neugier darauf, wie wir als Menschen wachsen können.

Also, was sagt denn nun eigentlich die Forschung zum Thema Komfortzone?

Ein kurzer Blick ins Gehirn, damit wir verstehen, was uns zurückhält.

Vor allem die Neurowissenschaft versucht heute zu erklären, warum unser Gehirn Sicherheit liebt und Neues oft meidet.

Neurowissenschaft, das ist die Forschung, die sich mit unserem Gehirn beschäftigt.

Einer dieser Forscher ist der Amerikaner Joseph LeDoux.

Und er hat herausgefunden, dass unser Gehirn bei Situationen, die uns Angst machen, auf zwei unterschiedlichen Wegen reagiert.

Und zwar auf einem sehr schnellen und einem eher langsamen Weg.

Und prinzipiell macht das auch total Sinn.

Stell dir zum Beispiel vor, du gehst im Dschungel spazieren.

Plötzlich hörst du ein Rascheln im Gebüsch und dann siehst du sie direkt vor dir: eine große zischelnde Schlange.

In diesem Moment ist ein langes Analysieren der Situation wohl eher fehl am Platz.

Da ist schnelles Handeln gefragt oder anders gesagt, nimm die Beine in die Hand, sonst bist du tot.

Du merkst schon, so eine schnelle Reaktion kann in manchen Situationen überlebenswichtig sein.

Und deshalb läuft da in unserem Körper auch automatisch ein ganzes Programm ab.

Und zwar wird die sogenannte Amygdala aktiv.

Genau genommen haben wir zwei davon, eine in jeder Gehirnhälfte.

Sie arbeiten aber so eng zusammen, dass man sie im Alltag einfach die Amygdala nennt.

Sie wird oft als Angstzentrum bezeichnet.

Genauer gesagt ist sie ein Alarmsystem für Bedrohung, programmiert auf unser Überleben.

Und die Amygdala entscheidet blitzschnell, wie wir auf eine Situation reagieren sollen.

Und zwar im Bruchteil einer Sekunde.

Bei der Begegnung mit der Schlange entscheidet diese blitzartige Reaktion also über Leben und Tod.

Da hat die Amygdala echt keine Zeit, lange mit der Vernunft zu diskutieren.

Und deshalb wird der Weg des Denkens, der langsamer ist und über einen anderen Teil des Gehirns läuft,

nämlich den sogenannten Präfrontalen Kortex, auch erstmal ausgeschaltet.

Stattdessen übernimmt im Körper die Amygdala das Kommando.

Und die sorgt dafür, dass der ganze Körper auf Alarm schaltet.

Soll heißen, der Herzschlag beschleunigt sich, die Muskeln spannen sich an,

die Pupillen weiten sich, das Blut strömt in Arme und Beine und dann heißt es,

rennen, was das Zeug hält.

Also, die Amygdala schützt uns.

Aber manchmal schützt sie uns nicht vor Gefahr, sondern vor Wachstum.

Denn jetzt kommt das eigentliche Problem.

Joseph LeDoux hat nämlich herausgefunden, dass wir Angst auch lernen können.

Das muss gar nicht durch echte Erlebnisse sein,

sondern zum Beispiel auch durch etwas, was wir in der Zeitung lesen

oder durch eine Geschichte, die uns jemand erzählt.

Und damit sind wir wieder bei meiner Flugangst.

Es war ja nicht so, dass ich mal ein schlimmes Erlebnis gehabt hätte.

Woher die Angst kam, weiß ich gar nicht mehr.

Aber die Reaktion der Amygdala, die war genauso wie bei der Schlange.

Sie hat blitzartig, unbewusst und extrem mächtig meinen Körper in extreme Anspannung versetzt.

Der Präfrontale Kortex, also das logische Denken, hat zwar immer mal wieder versucht,

mit einem Argument dazwischenzufunken, zum Beispiel,

also lies mal eine Statistik, Fliegen ist das sicherste Transportmittel der Welt.

Er hatte aber gegen die aufgeregte und hochemotionale Amygdala leider gar keine Chance.

So, und jetzt wird's richtig interessant.

Angstforscher Joseph LeDoux hat nämlich herausgefunden,

dass all diese Informationen bei uns in einem Angstgedächtnis gespeichert sind.

Und das Problem ist, dass dieses Gedächtnis stärker werden kann.

Jedes Mal, wenn ich mich aufgrund meiner Angst also gegen das Fliegen entschieden habe,

jedes Mal, wenn ich deshalb den Zug oder das Auto statt des Flugzeugs genommen habe,

ist dieses Angstgedächtnis stärker, größer und mächtiger geworden.

Ich habe meine Flugangst also regelrecht erlernt, sagt Joseph LeDoux.

Aber nicht nur Angst kann man lernen, sondern auch Mut.

Das haben Forscher wie zum Beispiel die australische Neurowissenschaftlerin Michelle Craske herausgefunden.

Sie hat nämlich festgestellt, dass man Mut wie einen Muskel trainieren kann.

Wenn man also nicht angesichts der Angst resigniert und flieht,

sondern sich vielmehr immer wieder mit ihr konfrontiert,

dann ist das alte Angstgedächtnis zwar immer noch da,

aber das Gehirn baut eine neue Spur, die stärker werden und die alte Spur überlagern kann.

Man kann also dem Gehirn neue, positive Erinnerungen geben,

die es abrufen kann und so den Automatismus in der Amygdala unterbrechen.

Sprich, wenn wir immer wieder fliegen, obwohl wir davor Angst haben,

dann lernt unser Gehirn: Alles gar nicht so schlimm!

Und mit der Zeit bleibt die Amygdala ruhig

und der Präfrontale Kortex kann wieder übernehmen.

Kurz gesagt, Angst lernt man.

Mut aber auch.

Und beides wird stärker durch Übung.

Mut ist kein Charakterzug.

Keine Begabung.

Kein Zufall.

Mut braucht einfach einen Trainingsplan.

Mut kann man also lernen.

Cool, oder?

Aber die wenigsten Menschen tun das.

Viele geben sich hingegen ihrer Angst hin und hinterfragen sie nicht.

Sie machen es sich stattdessen in ihrer Komfortzone gemütlich.

Da, wo alles sicher scheint, wo alles ruhig ist,

wo die Amygdala keine Purzelbäume schlägt.

Denn dann wird es ungemütlich.

Mutig sein, das bedeutet nämlich erstmal eine ziemliche Anstrengung.

Das bedeutet die Angst auszuhalten, statt sie einfach wegzuleugnen.

Warum ich euch das hier alles erzähle?

Weil wir auch als Gesellschaft eine Amygdala haben.

Unsere Gesellschaft ist wie ein großes, kollektives Nervensystem.

Sie ist wie ein riesiger Organismus, dessen Gehirn nach ganz ähnlichen Spielregeln funktioniert,

wie auch auf der individuellen Ebene.

Auch dieser gesellschaftliche Organismus kann nämlich Angst haben.

Und momentan, so habe ich den Eindruck, hat er davon besonders viel.

Verwundert ja auch eigentlich nicht.

Denn wir stehen wirklich vor großen Herausforderungen, die einen schon ganz schön einschüchtern können.

Kriege, die immer näher an Deutschland heranrücken.

Zunehmende wirtschaftliche Instabilität.

Klimakrise.

Und dann auch noch die Sache mit der Künstlichen Intelligenz.

Klar macht das Angst.

Klar,

da kommen Fragen auf wie: Wenn Maschinen so schlau sein werden,

wo wird dann mein Platz in dieser Gesellschaft sein?

Wie wird sich Deutschland verändern?

Werden meine ungeborenen Enkelkinder noch in einer Welt mit einer einigermaßen intakten Natur aufwachsen können?

Und werden sie noch einen Job finden, ihre Familie ernähren können?

All diese Fragen sind nicht nur verständlich, sie sind auch menschlich.

Und menschlich ist auch, dass sie uns Angst machen.

Bevor wir weitergehen, ein Gedanke.

Angst ist menschlich.

Mut aber auch.

Wie ich beim Fliegen entscheiden wir als Gesellschaft, wie wir mit unserer Angst umgehen.

Und im Augenblick regiert in unserem Land da vor allem die hysterische kollektive Amygdala.

Beispiel Künstliche Intelligenz.

Viele Menschen reagieren darauf wie unser Gehirn auf die Schlange.

Mit Angst.

Aber Angst ist kein guter Ratgeber.

KI ist ein Werkzeug.

Sie kann uns helfen, Probleme zu lösen, Herausforderungen zu meistern.

Unsere Aufgabe ist es, sie gut zu nutzen.

Mit ihrer Hilfe Probleme zu lösen.

Aber wir müssen den Umgang mit ihr lernen.

Wir müssen entdecken, was sie kann,

und auch welche Gefahren lauern.

Deshalb dürfen wir als Gesellschaft nicht den Kopf in den Sand stecken.

Wir müssen bereit sein, die Komfortzone zu verlassen.

Zu lernen.

Zu verstehen.

Aktiv mitzugestalten.

Statt reflexhaft zu allem Nein zu sagen.

Darüber habe ich auch mit Barbara Weidmann-Lainer gesprochen.

Sie ist Journalistin und Expertin für Künstliche Intelligenz.

Barbara Weidmann-Lainer: „Und man sagt auch, dass sich die Leute werden alle fünf oder zehn Jahre spätestens komplett neu erfinden müssen.

Und das ist eigentlich auch das, was wir beherzigen müssen.

Wenn wir zukunftsfähig sein wollen, müssen wir sehr, sehr flexibel sein.“

Barbara Weidmann-Lainer kann wirklich eine Menge darüber erzählen, wie Künstliche Intelligenz unser Leben verändert.

Ihr werdet sie deshalb in den nächsten Folgen noch besser kennenlernen.

Barbara Weidmann-Lainer: „Ich habe jetzt eben durch meinen Hintergrund auch den Vorteil, immer schon sehr flexibel gewesen zu sein.

Es hat mit Neugier zu tun und dass ich das einfach gerne tue.

Leute, die das nicht gerne tun, die das Gewohnte bewahren wollen, die werden sich sehr, sehr schwertun, weil sie sich halt doch bewegen müssen.

Weil die Welt sich ständig dreht und eine andere wird.“

Genau das ist es.

Die Welt verändert sich.

Immer.

Wer sie mitgestalten will und nicht nur ertragen, der muss sich auf die Veränderung einlassen.

Der braucht Mut zum Lernen.

Wir stecken aber als Gesellschaft in der Komfortzone fest.

Und das Verrückte daran ist, das fühlt sich irgendwie gut an.

Es ist ja alles so wie immer.

Die Komfortzone ist voller Routinen und Gewissheiten.

Das fordert uns nicht heraus, sondern ist wie ein warmer Punsch vor dem prickelnden Kaminfeuer.

Das Problem ist aber: Der Punsch vor dem Kaminfeuer löst keine Probleme.

Es ist genauso wie mit der Flugangst.

Die geht nicht weg, nur weil man sich weigert, zu fliegen.

Wenn wir als Gesellschaft uns den neuen Entwicklungen wie der Künstlichen Intelligenz nicht stellen,

wenn wir nicht mutig rausgehen und die Veränderung umarmen, dann lernen wir nichts Neues.

Die Veränderung wird kommen, das ist sicher.

Wie wir mit ihr umgehen, das können wir entscheiden.

Komfortzonen sind trügerisch.

Komfortzonen sind gefährlich.

Sie fühlen sich warm an wie eine Kuscheldecke.

Sie fühlen sich sicher an.

Aber die Wahrheit ist, sie sind kein sicherer Ort.

Sie bedeuten Stillstand.

Sie verhindern, dass wir wachsen.

Als Individuen, aber auch als Gesellschaft.

Wachstum liegt jenseits der Komfortzone.

Wenn die Angst regiert und wenn wir es uns dort bequem machen, dann verändert sich nichts.

Und wenn sich nichts verändert, dann kann sich auch nichts verbessern.

Dann gibt es eben keine Reformen, keine Revolutionen, sondern immer nur Reförmchen.

Für echtes Wachstum muss man raus aus der Komfortzone.

Muss man alles hinterfragen, was man für selbstverständlich hält.

Muss man radikal Neues wagen.

Und das möchte ich in diesem Podcast versuchen.

Für mich ist die wichtigste Schlüsselstelle, die darüber entscheidet, ob wir es als Gesellschaft schaffen zu wachsen, die Bildung.

Unsere Schulen sind neben der Familie die Orte, die unsere Kinder auf ihr Leben vorbereiten.

Hier sollen sie fit für die Zukunft werden.

Hier sollen sie lernen, die Herausforderungen, die sich ihnen stellen werden, zu meistern.

Dafür brauchen sie vor allem eines.

Mut.

Den Mut aus der Komfortzone herauszutreten und sich dem Leben zu stellen, auch wenn es ihnen mitunter bedrohlich erscheint.

Diesen Mut müssen sie lernen.

Denn, ihr erinnert euch, Mut ist wie ein Muskel, den man trainieren kann und muss.

Wo könnte das besser gelingen, als an dem Ort, der dafür vorgesehen ist, zu lernen und zu trainieren:

der Schule!

Eigentlich.

Denn es gibt ein Problem.

Unser Bildungssystem und ganz besonders unsere Schulen sind selbst in der Komfortzone gefangen.

Sie verharren im Althergebrachten und haben Angst vor echter Veränderung.

Deshalb sind unsere Kinder Tag für Tag konfrontiert mit dem unablässigen Immer-weiter-so.

Schulen vermitteln Kindern nicht, dass Mut sich lohnt.

Im Gegenteil.

Unser Schulsystem bestraft es, anders zu denken und belohnt, im System zu bleiben.

Das erstickt jeden Innovationsgeist.

Denn wenn unsere Kinder in der Schule eine Sache lernen, dann ist das vor allem: Mach keine Fehler, geh kein Risiko ein.

Mach es niemals anders als vorgegeben.

Sonst läufst du Gefahr, eine schlechte Note, ein schlechtes Zeugnis, einen schlechten Abschluss zu bekommen.

Dabei ist Fehlermachen die DNA des Lernens.

Lernen ist Fehlermachen.

Lernen heißt, das Unbekannte zu wagen, zu stolpern, zu zweifeln.

Manchmal funktioniert das, was wir ausprobieren, perfekt.

Und manchmal stellen wir fest, das war nicht der richtige Weg.

Aber dann dürfen wir nicht aufgeben.

Wir müssen aufstehen und trotzdem weitergehen und nach anderen, besseren Wegen suchen.

Wir müssen die Komfortzone verlassen und wagen, zu wachsen.

Wissen, das Mut macht

Kennt ihr eigentlich die Forschung von Carol Dweck?

Sie hat gezeigt, dass Menschen, die daran glauben, dass Fehler machen zum Lernen dazugehört,

tendenziell, langfristig, erfolgreicher lernen.

Das kleine Wörtchen noch macht dabei den entscheidenden Unterschied.

Es gibt Menschen, die sagen, ich kann einfach nicht bruchrechnen.

Und es gibt andere, die sagen, ich kann noch nicht bruchrechnen.

Und Carol Dweck hat herausgefunden, dass diese zweite Gruppe oft viel erfolgreicher ist.

Sie traut sich mehr zu.

Sie glaubt daran, Probleme lösen zu können.

Sie ist mutig, neue Wege auszuprobieren.

Denn sie hat keine Angst davor, Fehler zu machen und zu scheitern.

Die Forschung von Carol Dweck ist echt super interessant.

Deshalb widme ich ihr auch demnächst mal eine ganze Podcast-Folge.

Statt Mut lernen unsere Kinder in der Schule also vor allem eines.

Angst.

Doch auch Angst wird trainiert, wird stärker und überlagert schließlich immer mehr den Mut zum Mut.

Als kleine Kinder sind wir noch neugierig auf die Welt.

Wir wollen sie und uns testen, ausprobieren, was geht und wo unsere Grenzen liegen.

Kleine Kinder kennen kaum Angst, aber sie stecken voll Mut.

Mit der Zeit und vor allem in der Schule geht das immer mehr verloren.

Und schließlich verlassen sie die Schule so oft als ängstliche Menschen, die nur allzu gut in das ängstliche Gesamtgefüge passen,

werden Teil einer Gesellschaft, deren Mitglieder gelernt haben, dass Mut sich nicht lohnt

und dass es am besten ist, dort zu verharren, wo es scheinbar sicher ist.

Und so steckt unser ganzes Land in der Komfortzonenfalle.

Ja, die Bahn ist unpünktlich, das Internet funktioniert nicht richtig und unsere Autos fahren immer noch mit Benzin.

Aber trotzdem, trotzdem fühlt es sich noch immer unheimlich bequem an,

auf unserer Couch, unter unserer Kuscheldecke und mit unserem Cappuccino in der Hand.

Ja, und ich liebe Cappuccino.

Aber aus Milchschaum entsteht halt keine Veränderung.

Damals im Flugzeug habe ich gelernt, Mut heißt nicht, keine Angst zu haben.

Mut beginnt nicht nach der Angst, sondern mittendrin.

Mut heißt zittern und trotzdem springen.

Und ich habe dabei so viel Appetit auf die Welt bekommen,

dass ich in den nächsten Jahren meinen Mut-Muskel ziemlich intensiv trainiert habe.

Heute steige ich genauso unbekümmert ins Flugzeug wie in einen Bus.

Ich bin im tiefsten Afrika und in China geflogen, ohne Angst, aber dafür mit einer unbändigen Neugier auf die Welt im Gepäck.

Wenn wir es wagen, die Komfortzone zu verlassen, dann wartet eine Welt voll unendlicher Möglichkeiten.

Unser Land steckt voller großartiger Menschen mit riesigem Potenzial und kreativen Ideen.

Ich bin davon überzeugt, dass sie, dass ihr, dass wir die Herausforderungen unserer Zeit meistern können.

Wir müssen uns nur trauen und das Abenteuer Lernen wagen.

Innovation ist nur möglich, wenn wir die Kuscheldecke abstreifen, wenn wir bereit sind, Risiken einzugehen, wenn wir mutig sind.

Wachstum beginnt dort, wo wir die Komfortzone verlassen.

Und Bildung ist dabei der Schlüssel.

Danke, dass du heute dabei warst.

Das war Go To Genius, eine Produktion von Really Good Stories.

Wenn dich diese Folge berührt oder inspiriert hat, freue ich mich, wenn du sie teilst.

Mit Menschen, die auch bereit sind, Neues zu wagen.

Du findest mich auf LinkedIn, Instagram und auf gotogenius.de.

Wenn du Anregungen hast oder einfach Deine Gedanken mit mir teilen möchtest, dann schreib mir an info@gotogenius.de.

Und jetzt bleib neugierig und bleib mutig, dorthin zu gehen, wo Wachstum beginnt.

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